Sporttourismus zwischen Potenzial und Strategie: Die Tourismusgemeinschaft der Gespanschaft Zagreb eröffnet zentrale Entwicklungsfragen

Die Frage, ob der Sporttourismus über den Rahmen einzelner Veranstaltungen hinauswachsen und sich zu einem strategischen Produkt einer Destination entwickeln kann, stand im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion „Spartan Trail & Destination Impact: Challenges and Opportunities for Sustainable Tourism Growth“. Die Veranstaltung fand in den Räumlichkeiten der Tourismusgemeinschaft der Gespanschaft Zagreb statt und brachte Vertreter des öffentlichen Sektors, des Tourismussystems sowie der Sportgemeinschaft zusammen.

In ihrer Eröffnungsrede betonte die Direktorin der Tourismusgemeinschaft der Gespanschaft Zagreb, Ivana Alilović, dass der Sporttourismus für kontinentale Destinationen eine bedeutende Chance darstellt – sowohl für die Entwicklung eines ganzjährigen Angebots als auch für die Schaffung authentischer Erlebnisse, die Natur, Outdoor-Aktivitäten und lokale Identität miteinander verbinden. „Für uns ist Sporttourismus nicht nur ein Ereignis, sondern auch eine Chance zur Entwicklung eines ganzjährigen Angebots, zur Aktivierung von Räumen und zur Schaffung authentischer Erlebnisse, die Natur, Erholung und lokale Identität verbinden“,erklärte sie.

Dass eine solche Entwicklung nicht von einer einzelnen Veranstaltung abhängt, sondern von einem breiteren Kooperationssystem, bestätigte auch die Diskussion, an der der Bürgermeister von Sveta Nedelja und Parlamentsabgeordnete Dario Zurovec, die Direktorin der Tourismusgemeinschaft Sveta Nedelja Renata Vlahovićder Spartan-Athlet und Gründer des OCR-CRO-Verbandes Andrej Šimatić sowie der Organisator des Spartan-Rennens Ivan Zrinušićteilnahmen. Bereits die unterschiedlichen Perspektiven machten deutlich, dass Sporttourismus heute immer weniger als isoliertes Ereignis und zunehmend als Entwicklungsinstrument verstanden wird, das die Wahrnehmbarkeit einer Destination, die Aktivierung von Räumen und die Qualität des lokalen Angebots maßgeblich beeinflussen kann.

Im Hinblick auf die Rolle der lokalen Gemeinschaft und des öffentlichen Sektors hob Dario Zurovec hervor, dass der Sporttourismus ein konkretes Entwicklungsinstrument mit sichtbaren Ergebnissen auf lokaler Ebene sei. „Sveta Nedelja hat die Bedeutung von Spartan erkannt und damit ein positives Beispiel für Investitionen in klare Strategien, Infrastruktur und eine qualitativ hochwertige Zusammenarbeit zwischen lokaler und nationaler Ebene gesetzt. Solche Projekte steigern nicht nur die touristische Frequenz, sondern beleben auch die Wirtschaft und erhöhen die Lebensqualität in der Gemeinschaft“, betonte er. Seine Ausführungen zu den langfristigen Effekten sportlicher Veranstaltungen warfen zugleich die Frage auf, inwieweit Städte und Institutionen bereit sind, in solchen Projekten mehr als nur eintägige Events zu erkennen.

Aus Sicht des Destinationsmanagements wurde hervorgehoben, dass die eigentliche Herausforderung nicht mit der Organisation eines Rennens beginnt, sondern in dem Moment, in dem es gelingt, Teilnehmende in Gäste zu verwandeln, die länger bleiben und die Destination über das eigentliche Ereignis hinaus erleben. In diesem Zusammenhang stellte Renata Vlahović die Frage, wie sich Sporttourismus als Teil einer langfristigen Strategie entwickeln lässt und nicht lediglich als zeitlich begrenztes Projekt. Insbesondere die Verknüpfung des Rennens mit dem Gesamtangebot der Destination, den Naturerlebnissen und den ergänzenden Inhalten wurde als entscheidender Schritt zur Schaffung eines ganzheitlichen Erlebnisses hervorgehoben.

Die Diskussion erhielt eine zusätzliche Dimension durch die Perspektive der Sportgemeinschaft, in der Andrej Šimatić darauf hinwies, dass Teilnehmende heute nicht mehr nur ein Rennen wählen, sondern das gesamte Erlebnis, das damit verbunden ist. Natur, Atmosphäre, Gemeinschaftsgefühl, Organisation sowie die Art und Weise, wie eine Destination ihre Gäste empfängt, sind häufig entscheidende Faktoren dafür, ob Teilnehmende zurückkehren und die Destination weiterempfehlen. Gerade dieses „Erlebnis“ erweist sich zunehmend als einer der zentralen Wettbewerbsfaktoren im Sporttourismus.

Ein Teil der Diskussion widmete sich auch den jüngsten Generationen und der Bedeutung, Kinder frühzeitig in den Sport einzubinden. Es wurde betont, dass Sport für Kinder nicht nur aufgrund der körperlichen Aktivität wichtig ist, sondern auch zur Entwicklung von Disziplin, Selbstvertrauen, gesunden Gewohnheiten, Ausdauer und Zugehörigkeitsgefühl beiträgt. In diesem Kontext wurde besonders hervorgehoben, dass es für Kinder unter 14 Jahren keine Platzierungen gibt, wodurch der Fokus bewusst auf Teilnahme, Bewegung und positive Erfahrungen statt auf Ergebnisse gelegt wird. Dass ein großes Interesse an solchen Angeboten besteht, zeigte auch das diesjährige Kinderrennen, bei dem alle 300 Startplätze ausverkauft waren.

Aus organisatorischer Sicht wurde hervorgehoben, dass eine international relevante Sportveranstaltung weit mehr erfordert als nur eine gute Idee und eine attraktive Location. Wie Ivan Zrinušić betonte, liegt der Unterschied zwischen einer durchschnittlichen Veranstaltung und einer, die langfristige Spuren in einer Destination hinterlässt, in professioneller Umsetzung, logistischer Vorbereitung und qualitativ hochwertiger Zusammenarbeit mit lokalen Partnern. Auch das Thema Freiwilligenarbeit wurde angesprochen: Es wird zunehmend schwieriger, junge Menschen für ein Engagement in solchen Projekten zu gewinnen, obwohl gerade Freiwillige oft die unsichtbare, aber tragende Kraft jeder größeren Veranstaltung sind. In diesem Zusammenhang wurde die Bedeutung lokaler Unterstützung besonders unterstrichen – wobei sich Sveta Nedelja und ihre Einwohner erneut als verlässliche Stütze bei der Organisation und Durchführung des Rennens erwiesen haben.

Im breiteren Kontext des europäischen Marktes wurde zudem die Frage aufgeworfen, ob Kroatien – insbesondere sein kontinentales Gebiet – durch den Sporttourismus eine stärkere Position unter sicheren, gut erreichbaren und authentischen Destinationen einnehmen kann. Das Fazit der Diskussion lautete, dass das Potenzial zweifellos vorhanden ist, der tatsächliche Fortschritt jedoch davon abhängen wird, inwieweit es gelingt, Sportveranstaltungen in systematisch entwickelte, nachhaltige und marktfähige Produkte zu überführen.

Abschließend wurde betont, dass der entscheidende Fortschritt im Sporttourismus nicht allein auf guter Organisation beruht, sondern auch auf der Fähigkeit, eine einzelne Veranstaltung in einen langfristigen Mehrwert für die Destination und die Gemeinschaft zu verwandeln.

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