Der Tourismus zählt zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen, ist zugleich jedoch ein Sektor, der – wenn er nicht verantwortungsvoll gesteuert wird – erhebliche negative Auswirkungen auf Natur und Gemeinschaften haben kann. In der Gespanschaft Zagreb ist Nachhaltigkeit zu einem zentralen Leitprinzip bei der Gestaltung der Zukunft der Destinationen geworden. Nachhaltiger Tourismus bedeutet nicht nur die Reduzierung negativer Auswirkungen, sondern bietet auch die Chance, eine Form des Reisens zu entwickeln, die die Umwelt respektiert, lokale Gemeinschaften stärkt und zur langfristigen Entwicklung beiträgt. Diese Themen standen im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion „Umwelt als Kapital: Wie Naturschutz zum Motor eines nachhaltigen Tourismus wird“, die am 4. Mai 2026 vom Tourismusverband der Gespanschaft Zagreb organisiert wurde und Vertreter lokaler Behörden, Tourismusexperten sowie Fachleute aus dem Umweltschutzbereich zusammenbrachte.
Die Diskussion wurde mit einer zentralen Frage eröffnet: „Welche Art von Tourismus wollen wir?“ Dabei wurde die grundlegende Herausforderung thematisiert, die touristische Entwicklung mit dem Schutz der Umwelt in Einklang zu bringen, da steigende Besucherzahlen unweigerlich zu einem zunehmenden Druck auf die natürlichen Ressourcen führen. Ivana Alilović, Direktorin des Tourismusverbandes der Gespanschaft Zagreb, setzte den Rahmen für die Diskussion und betonte, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Ziel, sondern ein System der Verantwortung sei, das den gesamten Tourismussektor prägt: „Eine Destination ist kein Schaufenster – sie ist vor allem ein System der Verantwortung. Im Tourismusverband der Gespanschaft Zagreb bauen wir seit sechs Jahren als Destinationsmanagementorganisation systematisch an nachhaltigen Strukturen auf, unter anderem durch unseren Managementplan bis 2028, die Auszeichnung mit dem Silberstatus von Green Destinations sowie die Unterzeichnung der Glasgow Declaration als erste Organisation in Kroatien. Unsere Aufgabe ist es nicht nur, Gäste anzuziehen, sondern auch die Auswirkungen des Tourismus auf Raum, Gemeinschaft und Lebensqualität aktiv zu steuern. Das ist der Unterschied zwischen einer Destination, die lediglich vermarktet wird, und einer Destination, die verantwortungsvoll geführt wird und eine Verpflichtung gegenüber ihrem Lebensraum und ihrer Bevölkerung trägt.“
Der Bürgermeister von Dugo Selo, Nenad Panian, hob die Bedeutung der aktiven Rolle lokaler Behörden bei der Gestaltung einer nachhaltigen Tourismusentwicklung hervor, die im Einklang mit den Bedürfnissen der Bevölkerung, dem Umweltschutz und der Bewahrung der lokalen Identität stehen muss: „Die lokale Selbstverwaltung ist nicht nur Gastgeber des Tourismus – wir sind Mitgestalter des Raumes, in dem sich der Tourismus entwickelt. Unsere Verantwortung besteht darin, sicherzustellen, dass die touristische Entwicklung Hand in Hand mit den Bedürfnissen unserer Bürger, dem Schutz der Umwelt und der Bewahrung unserer Identität verläuft. Ohne eine ehrliche Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Fachwelt und der Gemeinschaft selbst bleibt Nachhaltigkeit lediglich ein Schlagwort – und Dugo Selo sowie die Gespanschaft Zagreb verdienen weit mehr als das.“
Der Experte für nachhaltigen Tourismus, Josip Pavlović, wies darauf hin, dass Tourismus nur dann eine echte Entwicklungschance darstellt, wenn er gleichzeitig den Raum schützt und der Gemeinschaft zugutekommt: „Tourismus in der Gespanschaft Zagreb kann nur dann eine Entwicklungschance sein, wenn er den Raum schützt, die lokale Gemeinschaft stärkt und der Destination einen Mehrwert zurückgibt, anstatt sie lediglich zu verbrauchen. Natur ist kein Kostenfaktor der Entwicklung, sondern Kapital, das wir bewahren, erneuern und klug managen müssen. Der Erfolg des Tourismus darf daher nicht ausschließlich an Ankünften und Nächtigungen gemessen werden, sondern auch an der Lebensqualität der Bewohner, dem Zustand der Umwelt und der tatsächlichen Belastung der Infrastruktur. Wenn Tourismus Abfall, Lärm, Überlastung und Verbauung mit sich bringt, ohne dass die lokale Gemeinschaft davon profitiert, handelt es sich nicht um nachhaltige Entwicklung, sondern um kurzfristige Ausbeutung des Raumes.“
Petra Boić Petrač von WWF Adria ergänzte eine wesentliche Perspektive zur Umweltverantwortung und betonte die Notwendigkeit, ökologische Grenzen klar zu erkennen und zu respektieren: „Eine Destination muss die ökologischen Grenzen ihres Raumes klar verstehen und respektieren und gleichzeitig eine direkte Verbindung zwischen Tourismus und Investitionen in den Naturschutz herstellen. Die lokale Gemeinschaft darf nicht nur als ‚Stakeholder‘ betrachtet werden, sondern muss als Hüterin des Raumes agieren, denn ohne Menschen, die ein Interesse am Schutz der Natur haben, ist langfristiger Naturschutz nicht möglich. Kurz gesagt: Tourismus kann ein starker Verbündeter des Naturschutzes sein – aber nur, wenn wir akzeptieren, dass die Natur Grenzen hat und Erfolg nicht nur an Ankünften messen, sondern am Zustand des Raumes, den wir hinterlassen.“
Im Verlauf der Diskussion wurde zudem die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen lokalen Gemeinschaften und touristischen Akteuren hervorgehoben. Gordana Mikulčić, Vertreterin der Stadt Velika Gorica, betonte, dass nachhaltiger Tourismus auf der aktiven Einbindung von Verwaltung, Fachwelt und Gemeinschaft beruht, während Ana Gašparović, Direktorin des Tourismusverbandes Ivanić-Grad, ihre Erfahrungen bei der Einbindung spezifischer Ressourcen wie Naftalan in das touristische Angebot teilte und dabei die Bedeutung der Bewahrung der Identität kleinerer Destinationen unterstrich.
Die Diskussion machte deutlich, dass nachhaltiger Tourismus nicht nur die Minimierung negativer Auswirkungen bedeutet, sondern vor allem die Schaffung langfristiger Mehrwerte für Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt. Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass es notwendig ist, einen Tourismus zu entwickeln, der natürliche Ressourcen respektiert, die Lebensqualität verbessert und zur Bewahrung der kulturellen Identität beiträgt. Der Tourismusverband der Gespanschaft Zagreb wird weiterhin daran arbeiten, die touristische Entwicklung mit ökologischen und gesellschaftlichen Anforderungen in Einklang zu bringen und Nachhaltigkeit als zentrales Kriterium für die zukünftige Entwicklung des Tourismus zu verankern.









